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Umweltschutz auf dem Mount Everest

Wie die nepalesische Regierung auf die Hinterlassenschaft der Bergsteiger reagiert

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Jessica Beal, Exfreundin von Popstar Justin Timberlake, bestieg Anfang Januar 2010 den Kilimandscharo, um auf den Wassermangel in dieser Region aufmerksam zu machen. Trotz dieser edlen Geste wird sie für die mehrtägige Besteigung einiges Gepäck bei sich gehabt haben, das sie nicht unbedingt wieder mit zurück ins sonnige Los Angeles genommen haben. Ihre Hinterlassenschaft in Form von Zelten, Campinggeschirr und Ähnlichem ziert jetzt mit Sicherheit den Kilimandscharo.

Viel größer ist dieses Problem jedoch auf dem Mount Everest. Dieser ähnelte noch bis vor kurzem einer Mülldeponie mit ausrangierten Zelten, Sauerstoffflaschen, Speiseresten, Dosen und Medikamenten. Der Südsattel wurde schon als „höchste Müllkippe der Erde“ tituliert. Tausende Alpinisten errichten dort, bevor sie auf die Spitze des höchsten Berges der Welt steigen, bestens eingerichtete Basislager, gut bestückte Zwischenlager und auch auf den letzten Metern haben sie einige Hilfsmittel dabei. Das macht erst eine Besteigung des mit aktuell 8.844 Metern höchsten Bergs der Erde möglich. Bereits Sir Edmund Hillary ließ bei seiner Erstbesteigung Abfall zurück.

Was damals noch ein Einzelfall war, wurde später zum Problem. Ganze 150 Kletterer bezwangen in den ersten 30 Jahren den Everest. 2001 schafften 150 Bergsteiger das in einer einzigen Woche. Bisher haben 4.109 Menschen den Everest bestiegen (Stand 31. Dezember 2008), davon waren 34 Deutsche. Die nepalesische Regierung hat darauf reagiert und verlangt mittlerweile von jeder Expedition eine Art „Pfandgebühr“, die erst dann rückerstattet wird, wenn der Müll wieder zu Tal getragen wird. Bei den Durchschnittskosten von ca. 20.000 – 50.000 Euro pro kommerziellen Expeditionsteilnehmer sind für die Sahibs, wie die weißen Bergsteiger in Nepal genannt werden, die bis zu 10.000. Dollar Pfand jedoch bereits abgeschrieben, bevor die Genehmigung zur Gipfelerstürmung erteilt wurde.

„Es sind aber nicht so sehr die Bergsteiger, die uns Kopfzerbrechen bereiten“, so Summit Baral vom Nepalesischen Fremdenverkehrsamt. Auch die normalen Touristengruppen bringen Müll in die entlegenen Regionen. Allein im Jahr 2004 besuchten rund 379.000 Reisende das Himalaya-Gebiet in Nepal, mit allen ihren Hinterlassenschaften. Deshalb entschied sich Nepals Regierung zum „Großreinemachen“ im Himalaya. Die gewaltigen Abfallmengen, die sich vor allem entlang der Hauptaufstiegsrouten im Laufe der Jahrzehnte angesammelt hatten, sollten beseitigt werden. Die Lösung war einfach. Es wurden Expeditionen losgeschickt, die ausschließlich den Müll früherer Bergsteiger einsammelten. Die zumeist einheimischen Teilnehmer dieser „Schönheitsoperationen am Berg“ erhielten pro Kilogramm Altabfall rund acht Euro Belohnung. Im Rahmen der Mission „Sauberer Mount Everest“ beteiligen sich auch private Organisationen, Umweltschützer oder ehemalige Everest-Besteiger an der Müllsuche. Dies bringt nicht nur ein gutes Gewissen, sondern auch jede Menge Publicity. Kein Wunder, dass sich die verschiedenen Gruppen angeblich sogar gegenseitig den Abfall klauen, nur um mehr auf der Habenseite verbuchen zu können. Der Japaner Ken Noguchi hat bereits fünf Säuberungsexpeditionen ausgerichtet und dabei neun Tonnen Abfälle abtransportiert. Teilweise wurde der Müll am Fuß des Basislagers verbrannt. Der restliche Abfall wurde nach Kathmandu transportiert und dort deponiert.

Große Teile des Mülls am Mount Everest sollen dadurch nun beseitigt sein. Eine offizielle Umweltinventur auf dem Dach der Welt gab es bisher jedoch nicht. Umweltaktivisten haben den „Sagarmatha National Park“ im Himalaya auf die Liste der gefährdeten „UNESCO“-Weltkulturerbe-Regionen gesetzt, da sich die globale Erwärmung dort besonders heftig auswirkt. Der Gletscherrückgang ist in dieser Region ebenso stark wie in den Alpen in vergleichbaren Höhen. Erst ab etwa 6.000 Meter Höhe sind die Auswirkungen weniger spürbar. Wird die Erderwärmung nicht intensiv aufgehalten, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Himalaya nicht mehr das „Weiße Dach der Welt“ genannt wird.
Dinah

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