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Im Uferlosen schweifen...

In seinem Lyrikband "Gespräche mit niemand" offenbart Manfred Wolff seine sanfte Seite.

Buchtitelillustration von Edward
Manfred Wolff wurde 1941 in Braunschweig geboren und wuchs in Schöningen auf. In Freiburg und Göttingen studierte er Alte Sprachen, Geschichte, Philosophie und Pädagogik. Danach arbeitete er in der Erwachsenenbildung, zuletzt war er als Leiter einer Zivildienstschule in Bad Oeynhausen tätig. Er lebt in Berlin und arbeitet seit Jahren mit dem strassenfeger zusammen.

Manfred ist Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller, Sparte Übersetzer. Er hat sich in deutschen und polnischen Medien zu Themen aus Politik, Kunst und Literatur zu Wort gemeldet, aber auch Gedichte veröffentlicht. Gemeinsam mit seiner Frau Urszula Usakowska-Wolff übersetzt er aus dem Polnischen Lyrik, Prosa und Sachbücher.

Am Anfang meiner Lobeshymne auf diesen sehr intimen und warmherzigen Gedichtband kommt der Autor selbst zu Wort:

ich bin auf den berg gestiegen
mit niemand
zu sprechen
das wort
zu hören
das gesetz
ich habe die tafel zerbrochen
mit leeren händen
trete ich unter deine augen
beginne von neuem den weg
in mir
den gipfel zu finden
wo der dornbusch brennt

Menschen guten Willens werden sich hier mit wachsender Begeisterung in wunderschöne sprachliche Bilder verlieben. Von denen hat Manfred Wolff eine übervolle Lebenserfahrung anfangs in sanfte Sprachmelodien gewebt. Doch wo es zuerst heißt: "die Arme umfassen die Sterne", stellt sich am Ende des Sommers die Frage: "vielleicht morgen/werden die bleiernen Früchte/geerntet/von niemand/wird neu gesät/dass Leben sei"

Durch und durch gibt uns der Autor zu verstehen, wie viel uns an Leichtigkeit verloren gegangen ist: "manchmal/wenn ich ganz still bin/gehen mir/Wörter in fremden Sprachen/durch den Sinn..." Dann will man nur noch lesen und schwelgen und lesen und landet schließlich bei beinahe unerlaubter lyrischer Leichtigkeit: "Es glüht und singt/bis es zerspringt/mit einem hellen Silberton,/und ahnte schon/beim ersten leisen Schlag/seinen Todestag."

Manfred Wolff, unser überlegter, kluger und einfühlsamer Mitstreiter, hat einen sehr feinfühligen und herzensguten liebevollen Lyrikband veröffentlicht. Ich habe ihn in einem Zug gelesen: Das ist großartige Literatur! Es geht um die schnörkellose Klarheit der Aussage: "Ich bin auf den Berg gestiegen/mit niemand/zu sprechen..."

Warum? "Ketten Ringe Steine/Auszeichnungen/für Knechte"
Scharmann

Manfred Wolff:
Gespräche mit niemand. 
POP-Verlag, Ludwigsburg,
2008.
12,80 Euro.


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